Die Zeitungen die ich greifen konnte, verschlang ich. Grund dafür:
Das Ruhrgebiet - Kulturhauptstadt 2010 - Projekt: RUHR.2010.
Heute am 09.01.2010 findet die Eröffnung des Kulturjahres auf der Zeche Zollverein/Essen statt.
Für alle, die es noch nicht wussten; Es ist nicht die einzige Kulturhauptstadt in diesem Jahr. Ausserdem von der Europäischen Kommission ernannt:
Pécs (Ungarn) und Istanbul (Türkei).
So berichtet zum Beispiel die WELT auf 14 Sonderseiten, während die FRANKFURTER RUNDSCHAU mit nüchternen 1,5 Seiten im Feuilleton, beinahe unsichtbar, hinten ansteht.
Nun werden sich sicher einige fragen " wat soll dat "?
Derartige Projekte geben Metropolen die Möglichkeit sich neu zu orientieren, auf sich aufmerksam zu machen und sich neu zu präsentieren. Schwerpunkt ist das Thema - wie der Name schon sagt - die Kultur.
Menschen, die Arbeit der Menschen die dort leben und die Kreativität die daraus ensteht, wenn diese ihre Freizeit gestalten.
All das soll hier in über 2500 Veranstaltungen, verteilt über das ganze Jahr und an den verschiedendsten Orten im Ruhrgebiet gezeigt werden.
Ich bin gespannt und froh nun noch mehr über den Pott zu erfahren.
Meine Liebe zum Ruhrgebiet entwickelte sich bereits vor 3 Jahren. Interessant an der ganzen Sache ist, dass sich eigentlich durch so viel Abwechslung kaum noch ein "richtiger, waschechter Ruhri" ausfindig machen lässt . Aber gerade das ist es ja, was es so besonders macht > die Vielfältigkeit.
Das neue Ruhr Museum (ebenfalls heute eröffnet) auf Zollverein glänzt nicht im Abstrakten, sondern durch einfache Exponate.
So ist zum Beispiel ein Einmachglas, gefüllt mit klarem Wasser nichts besonderes. Unter Berücksichtigung, dass es kaum sauberes Wasser nach dem Krieg dort gab, zeigt allerdings, dass die Menschen immer Ideen aus dem Einfachen heraus hatten.
Die Wochenenden im Gebiet "R" werden länger - das Detail immer intensiver.
Mein Schreibtisch ist voll mit Text - Andere haben sie geschrieben. Fühlen sie ihre Zeilen?
Nun gut nicht jeder Redakteur, sicher im Gegensatz als ein Autor, fühlt sich grundsätzlich immer in all das hinein was er Tag für Tag "fabrizieren" muss.
Was will ich sagen - was ich lese und (nicht) sehe, ist mir zu wenig!
Wo ist zum Beispiel die über die Landesgrenzen hinaus gehende Werbung? Bücher schön und gut - sie vermitteln niemals den ersten Schritt auch eines zu kaufen. Der Weg dorthin muss angepriesen werden, sonst kann man sie auch nicht finden!
Natürlich gab es eine Eröffnungsfeier (Samstagnachmittag) die auch für alle "sichtbar gemacht worde". Haben sie alle gesehen? Zudem gab es einige Dokus (WDR) und eine Abendshow (ZDF) - zu sehen war ein Tiroler, der "Pott" sprach oder es versuchte - Markus Lanz. Ich fand das weniger gelungen.
Man muss es selber erleben, nur dann weiss man was eine gute Recherche ist.
Sie muss ein Gefühl nachhaltig vermitteln. Ich bin selber in das Ruhrgebiet gefahren (mittlerweile mehr als 100x), sammle bis heute Eindrücke und will nicht mehr weg. Alles auch schon vor RUHR.2010.
Das Jahr allerdings ist noch frisch und von Woche zu Woche finden nun die Veranstaltungen statt. Dort gibt es alles was man wissen muss aber eben auch nur dort.
Eröffnung Kulturhauptstadt
frische Luft, was zu gucken und ein feines Getränk in guter Gesellschaft - was will man mehr?
23.05.2010 - Schachtzeichen: ich ging zurück zur Himmelstreppe und schoss einige Aufnahmen:
310 Ballons schweben bis ende des Monats am Himmel. Dadurch soll mit überdimensionalen "Pinnadeln" gezeigt werden, an welchen Stellen früher und heute Schachtöffnungen waren oder sind.Das wohl größte Kunstobjekt der Welt. Sie haben einen Durchmesser von 3,70m und schweben in 80m Höhe. Ab 22h werden sie bis 1 Uhr Nachts beleuchtet und dann eingeholt. Finanziert wurden die 5000EUR/ Ballons aus privaten Mitteln.
Essen Anfang August 2010:
Still-Leben A40
Nun sind dann auch die Bilder dazu da:
Es war ein heisser Sonnentag. Zu heiss, wie sich ein Tag später offenbarte....
Das Auto lies ich lieber gleich stehen und nahm mir ein Taxi um zumTreffpunkt (Kilometer 64 oder so) zu gelangen. Gänsehaut bekam ich schon als ich zur Tür hinaus trat. Dutzende Menschen und immer wieder Hubschrauber, welche sich wie kleine Stechmücken verhielten. Mein Nachbar, der Ruhri in gelassener Form: "Dat is ja leiser, wenn offen is".
Das Taxi drängelte sich zwischen, Mensch, Bollerwagen und Karnevalsallerlei hindurch bis hin zur nächst größeren Straße. Dort war frei. Für zwei Minuten.
Überall Menschen, Menschen, Menschen - mehr als 3 Millionen.
Nicht alle in Essen aber auf der gesamten 60km Strecke zwischen Dortmund und Duisburg.
Ein Wahnsinnsereignis und bis dahin konnte man auch noch sagen:
"Hammer das Kulturjahr 2010" - alles so problemfrei (eine Woche vor der Loveparade)
Angekommen auf der Brücke wartete ich auf weitere Verrückte, die das Ereignis nicht verpassen wollten.
Ich knipste von der Brücke aufe Bahn und dann auch mittendrin. Das Getümmel war in der Tat an den Auf- und Ausfahrten enorm - stellenweise sank die Stimmung um mir herum. Davon unbeeindruckt genoss ich die Atmosphäre. Dieser Asphalt, die Ader des Ruhrgebiets und Stau wie immer.
Anfänglich war alles wie geplant und klar struckturiert: Alles was Mechanisch angetrieben werden kann fuhr auf der Südseite, alles was geht auf die Nordseite. Zwei Stunden später: Notkletterei über die Mittelleitplanke und Luft schnappen und raus.
An anderer Stelle wieder rein und erstmal etwas trinken, das war die Devise. Lecker KöPi war zuuuuuu warm, Alternativen gab es keine. Nun gut, so wurde es gemütlich und die Sonne noch heisser - auch innerlich.
Die Begeisterung brach aber nicht ab. Wir aßen kalte Würstchen von einem Katholischen Verein, da Strom und offenes Feuer nicht erlaubt waren.
Ich unterhielt mich mit der halben Autobahn und sie unterhielten mich. Und immer diese wahnsinnig bunte Kulisse - unvergesslich! Tolle Idee / Tolle Veranstaltung!!
Leider bleibt die Frage: wo waren denn die veschiedenen Kulturen hinter den Lärmschutzwänden?
Das Motto: Das dahinter kommt raus.
Ich lasse die Frage offen und schliesse wie ich anfänglich schon angesprochen habe;
...das nächste mal setze ich etwas auf den Kopf, denn es ereilte mich ein helftiger Sonnenstich.
Nach diesem Bild rangierte ich meine Knipse aus. Dennoch: gut zu sehen - weit vor der offiziellen Freigabe, die Menschen richten sich häuslich ein.
So simpel wie schön: Mal in Ruhe von unten nach oben zu schauen.
Wir liefen, sofern das denn im Laufe des Tages noch möglich war, hin und her. Sagenhafte 2 Ausfahrten!! Hier: das Herz von Essen.
Ein indischer Ruhri. Mit Leib und Seele zeichnet er nicht nur an diesem Tag, sondern grundsätzlich: Das Ruhrgebiet. Dieses Bild konnte später ersteigert werden. Welche Summe da wohl zustande kam...
Duisburg gestern im September 2010:
Zum Xten Mal war ich im Landschaftspark unterwegs. Diesmal rein dienstlich und mit den Essener Philharmonikern im Gepäck.
In einer Pause in der ich dachte endlos zu warten, gingen wir in die Abendsonne hinein.
Nun kann man und Frau sich fragen: Warum schreibt sie das hier?
Es war ein besonderer Abend so zwischen Hochofen 2 und 5. Ich genoss das milde, spätsommerliche Klima und sah die Linden, die sich mehr und mehr zwischen dem Industrie-Wirrwarr hineinfressen und in die Landschaft aus Stahl und heute auch; Kultur.
Wir liefen unter Tonnen von Stahl, mittlerweile im halbdunkeln, den gut präparierten Weg entlang.
Während sich mein Blick vor lauter Fazination mal wieder in die Kulisse gepresst hat, kommt ein Schatten und dann auch zwei gut gekleidete Männer zwischen mir und die besagte Kulisse. Es war ein Moment. Vielleicht ein kleiner Traum. Für viele sicher nichts besonderes.
Für mich jedoch die Krönung, nicht nur jeden Tag mittendrin zu leben und zu ERLEBEN, sondern auch das
Gesicht vom Projekt RUHR.2010 Fritz Pleitgen
zu sehen. Einfach so ohne Trubel und Heiterkeit.
Es waren 4 Sekunden (wir schauten uns an und es kam mir vor, als wollte er: herzlich willkommen und ich ihm: schön, dass ich hier sein darf, sagen) und es hat mit menschlicher Liebe nichts zu tun - Ich wusste sofort, wer er ist und das merkte er. Ich war sprachlos und froh um diese, völlig banale und doch so besondere Situation.
Teilen wir doch das gleiche Interesse: