Bettie s Welt
  Grubenfahrt
 

Meine Grubenfahrt

Ich habe meinen Traum erfüllt und bin nach Untertage eingefahren. Dies war keine Touristenwanderung, wie man vielleicht vermuten möchte. Es ist schwierig das alles in realitätnahe Worte zu fassen.
Man muss es schlicht und ergreifend selbst erleben.

Für alle, die sich aber nicht trauen so etwas selbst zu erleben, hier eine kurzer "Gefühlsschweif":

I
ch brauchte, ohne großartig auf den Putz zu hauen, tatsächlich nicht nur Vitamin A, B und C, sondern auch D und E...um das zu erleben.

Es war der 19. März 2013:

Ich bin nach Marl gefahren und war um 13 Uhr vor Ort - Zeche Auguste Viktoria, Schacht 8 -  und nahm zunächst an einer Präsentation teil.
Im Anschluss  zogen sich alle 12 Teilnehmer um. Jede Stofffaser war Bergmannsgarn und fühlte sich anfänglich komisch an.
Ich denke im Regelfall ist jeder von Euch seine eigene Kleidung gewohnt.

Um Punkt 15 Uhr ging die Glocke, die uns das Signal gab:

Dies ist unsere Einfahrt.

Alle stiegen ein und es ging mit 12 Meter in der Sekunde 1175 Meter in die Tiefe. Die Fahrt dauerte nicht ganz 2 Minuten und war gar nicht so schlimm wie befürchtet. (Der Aufzug in der Firma macht da ganz andere Bewegungen aber das ist ein anderes Thema. Dies nur zum Vergleich.)

Unten angekommen waren meine Ohren mit mehr Druck beinhaltet als mit Akustik, was sicherlich an meiner Virusinfektion lag.
Der Druck ging lange Zeit nicht weg. Aber ich wollte das alles hier und jetzt und war demzufolge weiterhin gespannt und glücklich mit der Gesamtsituation.
Wir stiegen in den "Hängezug" (Ein Zug der über Schienen, die an der Decke befestigt sind, fährt) ein und fuhren 45 Minuten lang zum Abbauort. Vorbei an Kohlebändern, Bergleuten, eine Megamenge von Technik und anderen sog. Strecken.
Eines möchte ich hier unbedingt sagen:
Ich war innerlich so entspannt wie selten, ich hatte irgendwie das Gefühl: "hier bin ich richtig und hier musste ich hin". Das ganze wirkte sicher und ruhig - die Luft war gut. Zugegeben, die Ruhe wurde über die Ohropax erzeugt... 

Nach der noch viel zu kurzen Fahrt, stiegen wir nach fast einer Stunden aus dem Zug und liefen immer weiter in den "Berg" hinein.
Wir erreichten eine Maschine. Für einen kurzen Moment dachte ich, dass es nicht weiter gehen kann.
Dem war nicht so. Alle schlängelten sich an festen Hydraulikschläuchen vorbei, die Luft wurde stickiger. Ich sah die Deckenschutzschilder die ich aus dem Bergbaumuseum in Bochum schon gesehen hatte. Da erstrahlten sie allerding in schönem Weiß. Hier waren sie dunkel und rostig aber (wie ich mir sagen ließ) völlig intakt. Eine gewisse Empfindung der Enge machte sich in mir breit. Die Hobbyinteresssierten gingen weiter - ich mittendrin. Ich fragte mich an diesem Punkt: Was machst du gerade - die Hoffnung das die Zeit auch hier vergeht und die Welt in einer Stunde schon wieder anders aussieht - trieb mich mit der Einstellung des Gruppenzwanges weiter.
Die "Führer" sagten, es sind nur 300 Meter - am Ende waren es huntert mehr...
Der Schweiß lief mir aus dem festverzurrten Helm herunter. Ich musste ihn noch fester einstellen lassen, da er dadurch immer wieder rutschte. Der Helm war äußerst notwendig aber ungewohnt. Ich kalkulierte irgendwie die Höhe immer falsch ein. Ständig schlug der Eine, der Andere und auch immer wieder ich selber irgendwo an. Die Schilder wurden immer flacher. In gebückter Haltung liefen wir immer weiter. Ich empfand mehr und mehr Verlangen nach Wasser. Das gab es aber nicht. Ich hörte gar nicht mehr zu was andere erklärten und zeigten. Bis auf eines: Der Steiger sagte, der Kohlehobel ist gerade aus und wird gewartet. Was für ein Glück, lief er doch noch kurze Zeit zuvor. 
Ich muss zugegeben ich war an meine untrainierten Grenzen angekommen und war über diese Info sehr erleichtert - ich denke die Beklemmung wäre dann unerträglich geworden. Wir waren 5 Meter von der Kohle, die immer wieder in sich zusammenbrach, entfernt.

Um es grob zu erklären:
Die Schilder wandern mit dem Vorantrieb (ca. 10m am Tag), und man sah, wie neben uns hinter diesen Schilden das Gestein wieder - gewollt - in sich zusammenfiel.

Mit viel Eindruck und Beklemmungen kehrten wir schließlich um da es tatsächlich dann nicht mehr weiter ging.
In mir drehte sich der halbe Kopf und mein Kreislauf blamierte mich ein wenig.
Ich hatte darauf jedoch keine Einfluss mehr. In vollster Bemühung kraxelte ich zurück - irgendwie - zum Zug. Es gab endlich WASSER.
Die Batterie der Lampe und den Lebensretter nahm man mir dann freundlicherweise ab und ich fiel kaputt in den Zug.
Dort konnte ich mich dann 45 Minuten lang wieder erholen. Ich genoss´die Fahrt abermals.

Unbeschreiblich! Ich würde es immer wieder tun - Grippe hat man ja nicht jeden Tag und Wasser schleppe ich dann auch von Beginn an selber mit....

Danke an alle die DAS möglich gemacht haben.
- auch für die Bilder, die normalerweise nicht gemacht werden können.
Wahnsinn!!!

Zuletzt zogen wir uns um und duschten, zuvor gab es zur Stärkung Schnittchen, wir stellten noch Fragen und schauten uns die Beute - die Kohlestücke, noch einmal an. Inzwischen war es 18:30 Uhr.

Ein unvergessener Tag unter dem Fluß, der Lippe heißt.




 
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